|
Die Geschichte des Schlafzimmers
Die Geschichte des Schlafzimmers ist eine relativ junge Geschichte verglichen mit der der Menschheit. Noch während der Steinzeit und der Eisenzeit waren Schlafzimmer gänzlich unbekannt. Meist hatte man nur einen Raum zur Verfügung, in dem gegessen, gearbeitet und geschlafen wurde. Als Betten dienten Strohlager.
Die Existenz der ersten Betten ist erst seit dem Mittelalter überliefert. Wie so vieles andere waren Betten damals ein Privileg des Adels oder sehr reicher Bauern. Einfache Bauern schliefen im selben Raum wie ihre Tiere, um von der Wärme zu profitieren, die das Vieh abgab. Handwerker und Tagelöhner schliefen im Wohnraum, der meist zugleich als Küche diente. Dienstboten verfügten häufig sogar schon über eine eigene kleine Kammer, in die sie sich zurückziehen konnten. In der Regel waren diese Kammern nur mit einem Bett oder einem Alkoven sowie einer Waschschüssel oder einem einfachen Waschbecken ausgestattet. Aber auch unter den Dienstboten kam es vor, dass sie sich einen Raum zum Schlafen teilen mussten. Bisweilen mussten sogar die Betten zu mehreren geteilt werden.
Bis in das zwanzigste Jahrhundert hinein, war ein separates Schlafzimmer für die meisten Arbeiter ein unerschwinglicher Luxus. Von Kohle-, Fabrik- und Bergarbeitern ist überliefert, dass diese die Betten oft vielfach belegen mussten, um über die Runden zu kommen. Die Betten wurden an so genannte „Schläfer“ vermietet. Die Kinder der Familie mussten sich deshalb zu mehreren in einem Bett drängen. War ein Bett an mehrere Schläfer vermietet, oder teilten sich beispielsweise ein Familienmitglied und ein Schläfer ein Bett, so wurde in verschiedenen Schichten geschlafen. Über dieses System sollte einerseits ein kleines Zubrot für die Familien erreicht werden und andererseits zwang die Wohnungsnot die Menschen dazu.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war Wohnraum in Deutschland knapp. Aufgrund der Wohnraumbewirtschaftung waren Schlafzimmer Mangelware. Flüchtlinge und Ausgebombte wurden bei Leuten einquartiert, die noch eine mehr oder weniger intakte Wohnung hatten. Deshalb waren viele Menschen gezwungen, ihre Nächte und ihre Ruhepausen im Wohnzimmer zu verbringen. Um wenigstens etwas besser schlafen zu können, wurden nach und nach spezielle Schlafcouches und Bettsessel entwickelt.
In den sechziger Jahren kam es dann zu einer Entspannung der Lage. Die Wohnungsnot war bis dahin so weit eingedämmt, dass nun in Kleinfamilien nicht nur die Eltern ein eigenes Schlafzimmer hatten, sondern auch die Kinder.
|
|